- am 20.09.2015
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Fahrgastsprechtag BVG 2015
Am 16.09.2015 fand auf dem Betriebshof Lichtenberg der Fahrgastsprechtag BVG statt, zu dem der Berliner Fahrgastverband IGEB eingeladen hat. Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, Vorstandsvorsitzende der BVG, referierte und stellte sich den Fragen und der Kritik des Publikums. Im Gegensatz zu den letzten Jahren wurden dieses Mal die drei Betriebsbereiche U-Bahn, Straßenbahn und Bus gemeinsam an einem einzigen Fahrgastsprechtag behandelt, so dass einige Themen nur oberflächig angesprochen werden konnten, zumal auch kein (führendes) Personal aus den einzelnen Betriebsbereichen vor Ort war. Dafür anwesend und wie gewohnt kompetent Unterstützung liefernd war Helmut Grätz, ehemaliger Abteilungsleiter Betriebsmanagement beim Unternehmensbereich Bus und langjähriger Gast auf dem Podium bei Bussprechtagen, der inzwischen zuständig für die strategische Produktentwicklung bei der BVG ist.
Rück- und Ausblick
Im Berliner Nahverkehr finden aktuell 1,5 Milliarden Fahrten statt, von denen die BVG 73 Prozent (1.104 Millionen Fahrten), die S-Bahn Berlin 26 Prozent (395 Millionen Fahrten) und der Regionalverkehr 1 Prozent (21,3 Millionen Fahrten) leisten. Mit insgesamt ca. 3.000 Fahrzeugen beförderte die BVG 978 Millionen Fahrgäste im Jahr 2014. Für 2015 wird das Knacken der Milliardengrenze erwartet, was eigentlich erst für 2020 das Ziel war.
Die Mitarbeiterzahl liegt aktuell bei 13.340 und ist weiter steigend. Im Jahr 2010 betrug sie 12.500. Bis Ende des Jahres sollen noch 1.000 weitere hinzukommen, vor allem im Fahrpersonal und in der Instandsetzung. Die neuen Mitarbeiter sind auch dringend notwendig, da die zu dünne Personaldecke schon jetzt für zahlreiche Fahrtausfälle bzw. Fahrplanausdünnungen, vor allem bei der Straßenbahn, führt. Darüber hinaus wächst die Stadt Berlin seit Jahren. Für das Jahr 2030 werden 3,7 Millionen Einwohner erwartet. Die unter anderem dafür notwendigen Erweiterungen des Angebots benötigen zusätzliche Personale (und Fahrzeuge). Das Durchschnittsalter der BVG-Mitarbeiter liegt bei 49 Jahren, von denen viele entweder zeitnah auf die Rente zusteuern oder noch jung sind. Die mittlere Altersgruppe ist kaum vertreten, was vor allem am Einstellungsstopp in den 1990er- und 2000er-Jahren liegt, nachdem die Mitarbeiterzahl zuvor stark verkleinert wurde.
Die am stärksten wachsenden Kundengruppen der BVG sind die 6- bis 18-jährigen und die über 64-jährigen. Die für die BVG wichtigste Kundengruppe sind die dazwischen liegenden Erwerbstätigen im Alter von 18 bis 64 Jahre. Hier wird von einer gleichbleibenden Menge an Einwohnern ausgegangen. Überdurchschnittlich mobil sind dabei Frauen zwischen 30 und 50 Jahren.
Fahrplan 2016
Nachdem bis zum Oktober 2015 bereits 70 Angebotsmaßnahmen auf 54 Linien durchgeführt wurden bzw. werden, folgen ab Dezember 2015 weitere 17 Maßnahmen auf 20 Linien. Während die bisherigen Maßnahmen vor allem Taktverdichtungen in den Nebenverkehrszeiten waren, wird es nun auch Angebotsverdichtungen in der Hauptverkehrszeit (HVZ) geben. Die Maßnahmen betreffen die U-Bahnlinie U6, die Straßenbahnlinien 60, 62 und 63 (Neuordnung Netz Köpenick) sowie die Buslinien X54, M27, 101, 112, 139, 160, 165, 186, 187, 237, 271, 277, 377, N9 und N65. Zum 3. April 2016 wird eine neue HVZ-Buslinie 310 zwischen U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße und U-Bahnhof Blissestraße eingerichtet, die die Linien 110 und 249 verdichtet und montags bis freitags zwischen 7 und 10 sowie 13 und 19 Uhr verkehren wird. Sie führt über Levishamstraße, Paulsborner Straße, Franzensbader Straße, Berkaer Straße, Breite Straße und Mecklenburgische Straße.
U-Bahn
Die Berliner U-Bahn befördert mit 1.238 Fahrzeugen etwa 517,4 Millionen Fahrgäste im Jahr.
Wesentliche Gleis- und Streckenarbeiten fanden und finden dieses Jahr auf der U2 (u. a. Brückensanierung Gleisdreick), U5 (Gleisbau und Kabelkanalsanierung Biesdorf), U6 (Erneuerung Zugsicherungsanlagen Tempelhof) sowie U7 und U8 (Weichen- und Gleiserneuerungen) statt. Die Bahnhöfe Bayerischer Platz (U4/U7), Birkenstraße (U9), Bismarckstraße (U2/U7), Friedrich-Wilhelm-Platz (U9), Halemweg (U7), Kaiserin-Augusta-Straße (U6), Rathaus Steglitz (U9), Rudow (U7), Wutzkyallee (U7) und Yorckstraße (U7) wurden und werden saniert und aufgewertet. Auch der U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße (U5) wird grundinstandgesetzt und um einen Aufzug erweitert. Von hier aus wird die Internationalen Gartenausstellung 2017 in den Gärten der Welt erreichbar sein, wofür der Bahnhof auch in "Kienberg (Gärten der Welt)" umbenannt werden soll.
Bis 2020 sollen alle U-Bahnhöfe barrierefrei nutzbar sein.
Seit dem 28.08.2015 ist die neue U-Bahn-Betriebsleitstelle auf dem Gelände der U-Bahn-Betriebswerkstatt Friedrichsfelde in Betrieb. Erstmals sitzen Groß- und Kleinprofil gemeinsam in einem Raum. Der Umzug verlief störungsfrei und von den Fahrgästen unbemerkt.
Am 02.09.2015 wurden die beiden neuen Kleinprofilfahrzeuge vom Typ Ik (Wagen 1025 und 1026) für den Fahrgasteinsatz in Betrieb genommen und die Baureihe auf den Namen "Icke" getauft. Sie verkehren seitdem auf der Linie U12. Die im Februar bzw. März 2015 gelieferten Fahrzeuge wurden zuvor umfangreich getestet und geprüft. Bereits im Juli 2015 wurden weitere 11 Vorserienfahrzeuge bei Stadler Pankow bestellt, die auch für einen Einsatz im Großprofil technisch ausgestattet werden. Möglich machten dies vom Berliner Senat bereitgestellte Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt (SIWA). Das Auftragsvolumen liegt bei rund 60 Millionen Euro. Mit diesen neuen Fahrzeugen wird sich das Durchschnittsalter der Fahrzeuge leicht senken, welches momentan bei 29 Jahre im Klein- und 26 Jahre im Großprofil liegt. Eine neue Fahrzeuggeneration für das Großprofil ist kurzfristig nicht in Sicht.
Straßenbahn
Die Berliner Straßenbahn befördert mit aktuell 353 Fahrzeugen etwa 181,1 Millionen Fahrgäste im Jahr.
Das Jahr 2015 ist für die Berliner Straßenbahn ein Jahr zum Feiern. Vor 150 Jahren wurde hier im Jahr 1865 die erste Straßenbahn Deutschlands in Betrieb genommen. Zwischen Brandenburger Tor und der damals noch selbstständigen Stadt Charlottenburg zogen Pferde auf Schienen geführte Wagen, in denen die Fahrt im Vergleich zum Pferdeomnibus um einiges komfortabler war. Mit einigen Jahren Verspätung wurde am 29.08.2015 die Neubaustrecke zum Hauptbahnhof vollständig in Betrieb genommen. Neben der M5 verkehren nun auch die Linien M8 und M10, letztere rund um die Uhr, hier. Tagsüber werden dabei 21 Fahrten pro Stunde und Richtung angeboten.
Das Jahr 2015 ist aber auch ein bitteres Jahr für die Straßenbahn. Die Personalprobleme sind inzwischen so groß, dass der Fahrplan auf einigen Linien ausgedünnt werden musste. Besonders ärgerlich hierbei war auch die Kommunikation der Maßnahmen seitens der BVG, die einige Maßnahmen verschwieg und andere verharmloste. Um die Probleme in den Begriff zu bekommen, werden nicht nur zahlreiche neue Mitarbeiter ausgebildet sondern auch Straßenbahnfahrer aus Mainz und Frankfurt/Oder ausgeliehen, die bereits Erfahrung mit dem Typ GT6 haben. Wann und ob überhaupt alle Maßnahmen wieder rückgängig gemacht werden, wird operativ entschieden.
Die Flexity-Fahrzeuge sind weiterhin in der Auslieferung. Eine Entscheidung über weitere Anpassungen der noch kommenden Lieferlose (lange statt kurze Fahrzeuge) und über eine Einlösung der noch bestehenden Optionen ist noch nicht getroffen worden, die Diskussionen mit den Aufsichtsrat hierzu laufen. Während zahlreiche GT6-Fahrzeuge noch bezüglich der Steuerung umgebaut werden, um sie fit für die Zukunft zu halten, wird bereits die Nachfolgegeneration vorbereitet. Künftig sollen neue Fahrzeuge kontinuierlich geliefert werden, die untereinander auch kuppelbar sein sollen.
Bus
Der Berliner Bus befördert mit 1.321 Fahrzeugen 405 Millionen Fahrgäste im Jahr.
Die Busflotte wird kontinuierlich weiter verjüngt. Das Durchschnittsalter liegt aktuell bei 7 Jahren. In Auslieferung befinden sich momentan die Standard-Eindecker von VDL Typ Citea LLE, von denen 236 Fahrzeuge vorgesehen sind, sowie die Gelenkbusse von Scania Typ Citywide LF, von denen 156 Fahrzeuge geplant sind. Beide Hersteller haben auch Prototypen für eine neue Doppeldecker-Serie geliefert, die aktuell auf den Spandauer Linien getestet werden. Dies sind zum einen der kurze Scania Citywide DLF mit nur einer Treppe und der etwas längere VDL Citea DLF mit zwei Treppen. Neben den beiden Doppeldeckern wurden vor kurzem auch ein 21 Meter langer Gelenkbus von Mercedes-Benz Typ CapaCity L und ein 23 Meter langer Anhänger-Buszug (MAN Lion's City mit Göppel Go4CityT) auf den Linien 135 und 236 getestet. Diese beiden Fahrzeuge durften nur mit einer Ausnahmegenehmigung verkehren, da sie das zulässige Maximalmaß für Fahrzeugkombinationen von 18,75 Meter deutlich überschritten. Aus Fahrer- und Fahrgastsicht verliefen die Tests mit den langen Fahrzeugen positiv. Die BVG sieht in dem schweren Genehmigungsverfahren aber einen möglichen Hinderungsgrund.
Nach langer Planung und mehreren Linienoptionen wurde am 31.08.2015 die Linie 204, die zwischen S+U-Bahnhof Zoologischer Garten und S-Bahnhof Südkreuz durch die westliche Innenstadt verkehrt, auf elektrischen Betrieb umgestellt. Seitdem verkehren vier elektrische Busse vom Typ Solaris Urbino 12 electric mit dem induktiven PRIMOVE-Ladesystem von Bombardier und einer Traktionsausrüstung von Vossloh Kiepe auf dieser Linie. Die Busse werden über Induktion (also kabel- und kontaktlos) an den Endhaltestellen und über Nacht auf dem Betriebshof geladen. Bis Herbst 2016 läuft das Pilotprojekt mit dem unter anderem eine technisch-wirtschaftliche Gesamtbewertung erfolgen soll.
Derzeit wird das rechnergestützte Betriebs- und Leitsystem (RBL) in den Bussen erneuert. Verbunden damit besteht auch die Hoffnung, dass die Anzeiger in und an den Bussen die Haltestellennamen mit korrekter Groß- und Kleinschreibung darstellen. Gerade die neueren Anzeiger haben hier Schwierigkeiten.
Sonstiges
- Die durchschnittliche Auslastung der Fahrzeuge über den gesamten Tag liegt bei 17 Prozent. Die Zahl wird allerdings durch den Nachtverkehr deutlich gedrückt. Tagsüber gibt es zahlreiche Fahrten, auf denen die Auslastung 100 Prozent und mehr erreicht.
- Gab es früher noch klare Nachfragespitzen zu den Zeiten des Berufsverkehrs, so zeigt sich seit Jahren eine wachsende Nachfrage im Freizeitverkehr und eine Angleichung der Nachfrage über den Tag gesehen. So verwundert es auch nicht, dass der Samstag sich inzwischen zum stärksten Tag entwickelt hat.
- Das Thema Klimaanlage in Fahrzeugen wird weiterhin kontrovers diskutiert. Während in U-Bahnfahrzeugen diese aufgrund der großen Wärmeabgabe in den Tunneln zu Recht abgelehnt werden, sind einigen Fahrgästen die stets verschlossenen Fenster in Bussen mit Klimaanlagen ein Ärgernis, gerade dann, wenn die Klimaanlage bei zu hohen Außentemperaturen schlecht oder gar nicht arbeitet.
- Das WLAN-Angebot im U-Bahnhof Osloer Straße läuft so zufriedenstellend, dass die BVG das Angebot gerne erweitern würde. Allerdings fehlen hierzu die Geldmittel. Ersatz hierfür könnte LTE bieten, welches aber nicht von allen Mobilfunkanbietern im Berliner U-Bahnnetz angeboten wird.
- Der Fahrscheinverkauf durch den Fahrer in Bussen führt vor allem bei touristisch wichtigen Linien zu teilweise längeren Aufenthaltzeiten an den Haltestellen. Abhilfe hierfür könnten stationäre Fahrkartenautomaten schaffen, die allerdings derzeit nicht im Straßenland aufgestellt werden dürfen. Daher befindet sich der neue Automat am Hauptbahnhof auch auf dem Bahnsteig der Straßenbahnhaltestelle, obwohl er an den Bushaltestellen mehr Sinn ergeben würde. Schon seit langem sind neue Fahrscheinautomaten in den Straßenbahnfahrzeugen angekündigt, die auch Karten und Scheine annehmen sollen. Allerdings gestaltet sich die Beschaffungsmaßnahme schwieriger als gedacht. Inzwischen ist wenigstens die Ausschreibung erfolgt.
- Die Beschilderung der Straßenbahnen bei Baumaßnehmen ist seit Jahren ein großer Kritikpunkt. Die BVG schildert auch im Falle von Baumaßnahmen stets das "normale" Fahrtziel, obwohl der Zug dieses nicht oder nur mit einem Umweg erreichen kann. Um den Fahrgast wenigstens anzuzeigen, dass etwas nicht stimmt, könnten Extraschilder genutzt werden, die z. B. das aus der Informationszeitschrift "BVG navi" bekannte Bausymbol tragen. Die BVG will dies prüfen.

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